The Squidco's Ear Februar 2010
Figuren CD von Quatre Têtes
VON MASSIMO RICCI

An all-female Swiss quartet, basically the fusion of two duos. Pianist Gabriela Friedli and trombonist Priska Walss (here doubling on alphorn) are known as Duo Frappant, a CD already released on Intakt titled Intervista. A second pianist, Claudia Ulla Binder, was a regular performing companion of flutist Susann Wehrli, in this occasion also featured on melodica. The separate entities took the shape of Quatre Têtes five years ago, after having met at "Zürcher Stadtsommer 2004". As a symbolic memento of past times, three of the pieces in this program are duets. That these women are technically well-trained becomes evident from the very first cut "Beauty's Biest", a cross of amusing improvisation and chamber music which meshes somber chordal work and quiescent coals of whimsical, if digestible anti-patterns. Another episode, "Lavtina", examines the connections between a somewhat disenchanted predisposition to leaving lots of spaces for the ideas to flow and contrapuntal environments that might recall early theatre backgrounds. An acceleration of sorts is found in "Läufer und Turm", Walss' trombone spreading astute lines amidst a not overly dissonant harmonic tissue, while in "Penelope" the alphorn is tackled by rendering it akin to a didgeridoo against Wehrli's quasi-accordion melodica shades, causing yours truly to fantasize about a transverse If, Bwana/Guy Klucevsek liaison before aptly bowed piano strings conclude the whole with remarkable authority and a required touch of mystery. Someone could be turned off by the instrumental cluttering characterizing certain parts of the record, or decide that this kind of impromptu decision-making hides in actual fact a lack of revolutionary spark. This is in part true — we couldn't really say that everything sounds unexpected. Yet even during the most skeletal exchanges, such as the Wehrli/Friedli dialogue in "Voyageurs", the rewards come from a pair of factors: the absolute transparency of the timbres and the rather candid approach to unearthing instant solutions, both qualities manifested in every juncture by the musicians. This is a much appreciated attitude revealing seriousness — not necessarily a given in today's scene. Maybe the secret lies exactly there: this stuff does not sound like "avant-garde". Figuren appears more as an ongoing process involving four artistic voices who are still attempting to reach a superior level of consistency as a collective unit, but whose straight genuineness is a pleasant diversion from the annoyingly sanctimonious rigor shown by many weightier names in this field.

Le Son du Grisli Februar 2010
Figuren CD von Quatre Têtes
VON LUC BOUQUET

De deux duos (Gabriela Friedli - Priska Walss / Claudia Ulla Binder - Susann Wehrli) est né Quatre têtes, quartet exclusivement féminin. De l’étrangeté de l’orchestration (deux pianos, flûte et trombone) émerge une intensité confondante. Car plutôt que de n’explorer qu’une seule piste, ce sont en multiples chercheuses de sons et de sens que se sont postées nos quatre musiciennes. Dans cette musique, se croisent l’attente et le tâtonnement, la curiosité et l’inquiétude. On y découvre des enchâssements de timbres singuliers (la grave palette de l’imposant cor des Alpes, un mélodica sorti des sentiers battus), des arithmétiques audacieuses (quartet et divers duos), des fugues et des courses-poursuites haletantes. Bruissements, glissandi, horizontalité inquiète, dialogues ludiques et affranchis s’entrecroisent sans tourment et avec une décontraction naturelle. Stabilité, classicisme des phrasés et cassures abruptes ne s’opposent nullement car on sent les quatre musiciennes durablement soudées et toujours en demande de nouvelles situations. Une réussite totale pour nos quatre têtes pensantes et si magnifiquement jouantes.

Tages-Anzeiger 23. Dezember 2005
Eintauchen in Klangwelten Claudia Ulla Binder im Moods
VON NICK LIEBMANN

Wäre der Begriff nicht ein kulturpolitisch inkorrektes Klischee, man würde hier gerne auf ihn zurückgreifen: Die Improvisationskunst der Pianistin Claudia Ulla Binder ist typisch weiblich. Wo die meisten Improvisatoren im leeren, unstrukturierten Raum einen abgrundtiefen Horror Vacui empfinden und mit einem wilden Aktionismus darauf reagieren, ist bei der Wahlzürcherin die Pause angesagt. Da wird den Klängen nachgelauscht, die Stille nimmt zuweilen so viel Raum ein, dass den Zuhörern angst und bange wird. Wilde Klangkaskaden und brachiale Clusters sind nicht die Sache von Claudia Ulla Binder. Sie sucht ganz spezielle Klänge, spielt gerne im Inneren des Klaviers, wobei sie mit ungewöhnlichen elektrischen Vibratoren die Saiten zum Schwingen bringt, so dass ganz ungewohnte, attraktive Hörwelten aufgehen.
Der britische Tenor- und Sopransaxophonist John Butcher - übrigens ein promovierter Atomphysiker - erwies sich im zweiten Teil des Konzerts als kongenialer Duo-Partner der Pianistin. Auch er ist ein Klangtüftler, der über weite Strecken die ungewöhnlichsten polyphonen Sounds, vogelstimmenähnliches Zwitschern und Zirpen, tonlose Effekte und durch Zirkularatmung erzeugte Perpetua mobilia in den Raum projiziert. Während des ersten Teils des Abends im gut besuchten Moods stellte sich allerdings das Trio der Pianistin vor, das bereits seit sechs Jahren besteht. Dabei erwiesen sich der klassisch ausgebildete, vielseitige Kontrabassvirtuose Christian Weber und der erfrischend unorthodoxe Schlagzeuger und Perkussionist Dieter Ulrich als hellhörige Partner, die mit fast telepathischer Präzision auf die Klangexpeditionen von Claudia Ulla Binder reagierten. So geschlossen und formbewusst kamen einzelne Passagen daher, dass man Strukturen und Entwicklungen zu erleben schien, die bereits vorher abgesprochen waren.
Dass das reichhaltige Konzert als CD-Taufe angesagt war, musste ein Schmunzeln auslösen. Denn die Ergebnisse frei improvisierter Musik fallen ja jedes Mal anders aus, womit ein Tonträger immer eine unwiederbringliche Momentaufnahme bleiben muss.
Aktuelle CD: BOX, Ten Variations On An Unknown Theme, Origin Records (erhältlich über www.amazon.com)
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Traumarbeit im Theater Stok 7. Oktober 2003
Musikprojekt nach lngeborg Bachmann

VON JÜRG HUBER

Im Oktober jährt sich Ingeborg Bachmanns Todestag zum dreissigsten Mal. Aus diesem Anlass hat sich die Flötistin Susann Wehri mit dem "Buch Franza" beschäftigt und daraus ein hellsichtiges Textfragment über die Dramaturgie des Traumes ausgesucht. Elisabeth Wandeler- Deck hat über dieses Fragment für diesen Abend einen Text vefasst. "Da geht die Strasse gehen die Leute" heisst die aus diesen beiden Elementen entwickelte Musikproduktion, die Wehrli zusamnen mit der Pianistin Claudia Ulla Binder und der Sprecherin Tiziana Jelmini im Theater Stok zur Aufführung brachte. Wie ein Cantus Firmus zieht sich Bachmanns Text durch die knapp fünfzigminütige Performance, in der Traumlogik und musikalische Logik eins werden. Jelmini rhythmisiert die beiden Texte, splittert sie auf, montiert sie neu; ein Wort bleibt hängen, Rätsel bleiben ungelöst, Instrumentalklänge überwuchern die Sprache. Wehrli und Binder agieren hellhörig und öffnen mit Klängen verschiedener Dichtegrade Assoziationsräume. Körperhaft-expressiv bis hin zu Atem- und Artikulationsgeräuschen ist Wehrlis Fl
ötenspiel; ernsthaft-gelassen greift Binder in die Tasten, oft auch in die Eingeweide des Flügels, denen sie mit allerlei Gerätschaften die wunderlichsten Klänge entlockt.
Zürich, Theater Stok; 16. Mai.
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WOZ 23.November 2000
In den Tiefen des Flügels

In die Tasten greifen! Ins Innere des Flügels abtauchen! Die Pianistin Claudia Ulla Binder ist ständig auf der Suche, ob als Mitglied der WIM, als Interpretin neuer Musik, beim Unterrichten oder neuerdings beim Komponieren. Ausserdem hat sie einiges zur Zürcher Musikszene zu sagen und ein paar Wünsche offen.
LISLOT FREI
In Claudia Ullas Atelier an der Goldbrunnenstrasse gibts nicht bloss einen, sondern zwei Flügel. Das Haus steht frei, keine genervten Nachbarn, ihr Atelier ein schöner heller Raum mit grossen Fenstern. Ein Glücksfall, hundert Meter von ihrer neuen Wohnung entfernt. Der Raum inspiriert, da hat sie schon Konzerte für 20, 30 Leute organisiert. Zum Beispiel Claudia Ulla Binder im Duo mit Irène Schweizer. Oder mit Ulli Johannes Kieckbusch. Und es kommen Leute her zum freien Improvisieren. Schliesslich stammt sie aus einer ganz besonderen Küche, die da heisst WIM, Werkstatt für Improvisierte Musik. Dort ist sie dabei, seit sie 1986 von Berlin nach Zürich gezogen ist.
Endlich lange Töne
Und jetzt liegt ihre allererste Komposition auf dem Tisch. "Rohschliff" heisst sie, geschrieben hat sie sie letztes Jahr für Werner Bärtschis "Rezital"-Reihe im Rahmen des Programms "9 Uraufführungen von 9 Zürcher KomponistInnen". Die Besetzung für Alt- und Bassflöte sowie Klavier mit drei e-bows ist speziell, aber die Liebesgeschichte zwischen Claudia Ulla und diesen kleinen Effektgeräten ist es auch. Der e-bow, ursprünglich für die E-Gitarre konstruiert, ist eine elektromagnetische, von einer 9-Volt-Batterie betriebene Spule. Flügeldeckel auf, Pedal runter, e-bow im Flügelinnern auf die frei schwingenden Saiten halten, und schon dröhnts und sirrts wie ein exotisches Blasinstrument. Endlich mal lange Töne, die nicht verklingen. Nicht grad klavierüblich, aber eine tolle Sache, sie kann damit ihr Schlag-, Hack- und Rhythmusinstrument tüftelnderweise überlisten und umfunktionieren, wie das John Cage früher mit seinen Angelschnüren gemacht hat. In "Rohschliff" umspielt die Flöte diese geheimnisvollen stehenden Klänge, das wirkt ganz frei, beinah melodiös. Aber alles ist genauestens notiert. Ja, sie habe eine Tabelle konstruiert, wie das die Komponisten so tun, kichert sie. Bloss die unerzogenen e-bows machen hie und da unkalkulierbare Störgeräusche, wenn ihre Plastikhülle die Saiten streift.
Rohschliff eben, mit Unebenheiten. Wenn das keine Absicht ist! Ein sehr schönes Stück Musik ist das. Meditativ, ein bisschen fernöstlich. Fernöstlich? Dazu fällt ihr nur etwas ein, ein chinesisch anmutendes Kleidungsstück, das sie gern an Konzerten trägt.
Traum: Claudia sitzt in einer Ecke. Ein Fest, viele Leute um sie herum, lockere Stimmung. Sie beteiligt sich nicht, sitzt da in asiatischer Kleidung, das Gesicht verschlossen, beobachtend. Ein Schriftgelehrter, eine Schriftgelehrte. Die Leute nehmen sie respektvoll wahr, lassen sie aber in Ruhe. Sie nickt würdevoll.
Hinein in den Flügel! Das ist nicht Frust, sondern Lust, denn ihre Tür zur Musik ist der Klang. Sogar Rhythmen und Harmonien hört sie als Klanggebilde im Raum. Die Elektronik hat sie für sich aber als untauglich abgehakt, auch wenn sich noch so neue Welten auftun, denn wenn die Saiten nicht mehr vibrieren, ist der Reiz weg. So gräbt sie sich halt tiefer und tiefer in den Flügel hinein, um von da unten alles rauszuholen, was rauszuholen ist. Und entgeht erst noch der Immobilität, dem ewigen Sitzen am Flügel, diesem schwarzen Kasten oder am Klavier, der Wand. Aufstehen, sich bewegen, ein paar Schritte nach links, rechts, vorne - das macht Spass. Mit e-bows rumtüfteln, chinesische Gymnastikbälle auf den "unendlich langen Basssaiten" eines Steinway-D-Konzertflügels rollen lassen und dabei unvermutet auf verrückte Obertöne stossen - so was gefällt ihr.
Runde Mitternacht
Auf ihrer ersten Solo-CD sitzt Claudia wieder. In Boswil hat sie sie aufgenommen, wo auch schon Irène Schweizers zwei Soloplatten entstanden sind. Eigentlich wollte sie ein einziges, schönes, langes Klangband produzieren. Aber dann hat sie sich am ersten Abend absichtslos eine Stunde ans Klavier gesetzt und "rumgespielt", et voilà, fertig war der grösste Teil der CD. Was ihr an diesen kurzen Tastenspielen gefällt, ist die Ruhe, das Wachsen der Musik aus der Stille heraus und wieder in die Stille hinein. Aber anders als in "Rohschliff" gibt es jede Menge schnelle Läufe und wilde Ausbrüche; nichts ist konzipiert oder vorstrukturiert. Es könnten trotzdem Kompositionen sein, sage ich, und dieses starke Formgefühl teilt Claudia Ulla mit Irène Schweizer. Schönes Kompliment, findet sie, denn schliesslich ist Irène neben Marilyn Crispell und Cecil Taylor eine wichtige Figur in ihrer musikalischen Entwicklung. Und "Runde Mitternacht" auf der Solo-CD ist natürlich eine Anspielung auf Thelonious Monks "Round Midnight".
Traum: Claudia klettert. Sie steigt eine Felswand hinab in einen tiefen, weiten Canyon. Sie will und muss da runter. Keine Schwindelgefühle, keine Angst vorm Fallen. Ihre Finger ertasten sich die kleinen Unebenheiten im Fels, an denen sie sich entlanghangeln kann. Ihre Hände greifen danach, wie wenn sie sich auf Klaviertasten senken würden. Ein gutes Gefühl, irgendwie sicher.
Das Klavier ist ihr Ding. In verschiedensten Formationen oder solo hat sie in Willisau gespielt, am London-Jazz-Festival, am New-Music-America-Festival. Zum Beispiel mit dem Cellisten Alfred Zimmerlin und dem Drummer Dieter Ulrich. Von diesem Trio gibts die CD "The Great Musaurian Songbook". Im neuen Trio ist neben Ulrich der Bassist Christian Weber dabei. Diese Art des Zusammenspiels mag sie, das Proben funktioniert, was so viel heisst wie spielen, lachen, schwatzen, fun, fun, fun, eine gute Zeit haben ... schon ziemlich unverschämt.
Eine sehr gute Zeit hatten in den achtziger Jahren die "Lachenden Aussenseiter" der frei improvisierten Musik. Claudia Ulla Binder gehörte dazu. Heute beklagen viele, dass der Dampf draussen ist, wenig Interesse mehr, wenig Publikum. Sie nicht. Das freie Improvisieren ist für sie ein luxuriöses Hobby. Eigentlich sieht sie einen Glücksfall in der Kopplung von der gewaltigen politischen Aufbruchstimmung der siebziger und frühen achtziger Jahre und der unglaublichen Kreativität und Inspiration der freien Musik. Sie gibt zwar zu, auch für sie war es ein langer Lernprozess, zu merken, dass nichts mehr wie früher ist. Aber, so Claudia lakonisch, die Zeiten ändern sich halt. Wichtig ist, daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Zum Beispiel eine neue Umgebung für sich und ihre Musik zu finden. Ins "Moods" passe sie eh nicht.
Zu viel Nostalgie
Die Zürcher Alternativszene ist ein bisschen schläfrig geworden, findet Claudia Ulla. Zu viel Nostalgie, es muss sich was tun, bloss im eigenen Saft köcheln kann lähmen. Als Mitglied der "ag Fabrikkomposition" Rote Fabrik hat sie beim 20-Jahr-Jubiläum gemerkt, was Öffnung bewirken kann. Projekte von aussen waren gefragt, gemeldet haben sich viele, und plötzlich war die Szene wieder lebendig. So, meint sie, hat sich eben auch der Status der frei improvisierten Musik verändert. Früher war sie Protest, Ideologie, Lebensart, sogar Lebenssinn. Heute vielleicht eher eine von verschiedenen Sprachen, die sie als Musikerin spricht. Oder eine Tasche voll mit gesammelten Materialien, die sie nach Bedarf rausziehen, zusammensetzen und bearbeiten kann. Immerhin ist Improvisation heute an den meisten Schweizer Musikhochschulen gefragt oder sogar Pflichtfach geworden.
Und sonst? Sonst holt sie zurzeit ihren Marthaler im Theater nach, schaut sich Spoerli-Ballette an, hört zuhause ihre Lieblings-CDs, zum Beispiel ein - wunderschön romantisches! - Duo mit Kenny Barron und Charlie Haden, und ist alles in allem ein völlig wahllos hörender DRS-2-Junkie (danke sehr, liebe Claudia!). Noch was? Ja. Claudia Ulla Binder sucht einen Mäzen. Einen grossen.
C. U. B. mit Alfred Zimmerlin, "Seitenflügel", Unit Records
C.U.B. u.a. mit Jean-Marc Montera und Maud Sauer, "Humannoise Congress", Hybrid Deutschland
C. U. B. mit Dieter Ulrich und Alfred Zimmerlin, "The Great Musaurian Songbook", Musikszene Schweiz, Grammont Portrait
C. U. B., "solo piano", Unit Records
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Concerto Dezember 2000 / Januar 2001
Claudia Ulla Binder "Solo Piano" UTR 4126,
Vertrieb: Extraplatte

Drei neue Produktionen aus der Schweiz, die unterschiedlicher kaum sein könnten und die die enorme Bandbreite widerspiegeln, welche Jazz und Jazzverwandtes bei unseren westlichen Nachbarn aufweist.
Was fällt einem unter der Rubrik "Schweizer Pianistinnen/improvisierte Musik" ein? Natürlich Irène Schweizer, dann noch Sylvie Courvoisier als Vertreterin der jüngeren Generation. In Zukunft wird man sich auch den Namen Claudia Ulla Binder merken müssen. Die in Zürich lebende Musikerin ist auch als Klavierpädagogin tätig und legt mit Solo Piano" eine Liveaufnahme aus dem Jahr 1999 vor, die mit zehn Miniaturen und drei längeren Stücken ein Resümee ihres derzeitigen Schaffens darstellt. Meist an den Tasten, mitunter auch im Körper des Klaviers, stets mit starken dynamischen Schattierungen und zum Glück auch mit ironischem Augenzwinkern agierend, spielt Binder oft frei und assoziativ, dann wieder sehr formstreng. Hervorzuheben wären ihre dekonstruktivistische Deutung von Monks Round ‚Midnight' (bei ihr ..runde Mitternacht..') oder die impressionistische Skizze "Nachtigall beim Schattentanz".
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Jazz Notes No. 60 1er Octobre 2000
UNIT RECORDS
Claudia Ulla Binder "Solo Piano". UTR 4126.
Enr.: septembre 99. Dur.: 50'21 "

Pianiste suisse qui se situe dans Ie courant avancé de la composition musicale, elle interprète 13 pièces originales qui viennent d'une inclinaison assez recherchée, où I'improvisation joue un large jeu. C'est à la fois abrupte et tendre, parfois romantique, mais en tout cas ne tombant jamais dans un racolage quelconque. Un ton sérieux où la musique fait son office dans une recherche de création instantanée, qui dénote d'une connaissance approfondie, et d`une témérité certaine " Honiglied ". Pour mélomane avancé.


AMG-Unit 18th September 2000

Claudia Ulla Binder is a piano teacher based in Zürich. Although she has been active on the improvised music front since the early 1980s, her work has been rarely documented. This Solo Piano CD, recorded September 8 and 9, 1999, at Boswil (Switzerland), introduced her to a wider audience. She favors short pieces (mostly between two and four minutes), which allow her to explore various styles. The boundary between composition and improvisation is blurry: although the pieces are clearly improvised, it seems their setting was predetermined. In general, Binder's playing belongs to the contemporary piano music tradition rather than jazz. One can hear the influence of Charles Ives on pieces like "Etwas Flatterhaft" while Cagean techniques are applied on other numbers. The almost serial construction of" ist die Frage" contrasts with the string-scratching on "Honiglied" or the eerie buzzing strings on "City Night Lines", clearly the most surprising track (did she use an E-Bow to make them vibrate like that?). "Solo Piano" illustrates the creativity and versatility of the pianist and makes an enjoyable listen, thanks to Binder`s musical language constantly revised from one piece to the next.
FRANCOIS COUTURE